Presse
02.03.2012, 13:08 Uhr
Emotionaler Abend - Sternstunde der Freiheit
Arztehepaar Richter über schweren DDR-Alltag und ihren Ausreiseantrag mit Folgen

„Das war eine Sternstunde der Freiheit. Mich hat sehr bewegt, wie die Richters noch heute an Birkenwerder hängen, aber ihr Freiheitswille 1989 obsiegt hatte. Zusammen mit den persönlichen Schilderungen aus dem Publikum war der Abend der emotionale Höhepunkt der Ausstellungsreihe.“ So fasst Roger Pautz, Vorsitzender der CDU Birkenwerder, seine Eindrücke von der Veranstaltung am Mittwochabend in der Villa Weigert zusammen. Es war die letzte im Zusammenhang mit der Ausstellung „Als das Blatt sich wendete. Der gesellschaftliche Aufbruch in Birkenwerder 1989/1990“.

Die Veranstaltung zur Ausreise des Arztehepaars Richter war bestens besucht.

Das Interesse am Schicksal des Ärzteehepaares Richter (beide Jahrgang 1940) war riesig. Die Hausherren Joachim Weigert und Andrea Hoppe mussten alle Stühle im Haus zusammentragen, um den Gästen Plätze anbieten zu können. Am Ende reichten sie doch nicht. Einige der insgesamt fast 90 Besucher erlebten die zweistündige Veranstaltung, die von besonderer Atmosphäre geprägt war, im Stehen.

Die Richters zeigten sich sehr gerührt, für ein paar Stunden in das Haus zurückzukehren, in der Frau Anneliese zu DDR-Zeiten als Kinderärztin tätig war. Auch für viele Birkenwerderaner war das Wiedersehen mit der beliebten Medizinerin von Emotionen geprägt.

Historiker Bernt Roder nutzte die Form des Interviews, um in das berufliche Leben der Kinderärztin und ihres Mannes, eines in Schmachtenhagen und Glienicke tätigen Allgemeinmediziners, zu DDR-Zeiten einzutauchen, sie zu den Beweggründen für ihren Ausreiseantrag zu befragen, an ihre Zeit im Gefängnis zu erinnern und ihren Neustart in Bayern zu beleuchten.

Auch aus Birkenwerder hatten Einwohner die DDR verlassen. Das Ärztepaar Richter gehört zu den wenigen, die darüber sprechen wollen und den Historikern Manuela Dörnenburg und Bernt Roder Einblick in die Unterlagen ihrer schicksalshaften Jahre gewährten. Noch heute zeigen sich die beiden inzwischen im Ruhestand befindlichen Mediziner bestürzt über die Arbeitsbedingungen der Ärzte in der DDR und den beständigen Mangel an wichtigen Arzneimitteln. Mit Befremden reagierten die Besucher, als Helmut Richter aus seinem Arbeitsvertrag zitierte, in dem weniger der Patient, sondern vielmehr die Pflichten des Arztes zur Förderung der sozialistischen Gesellschaft verankert waren.

Die schwierige Ärztealltag, die fehlenden Reisemöglichkeiten und die Steine, die dem Sohn auf dem Weg zum Abitur in den Weg gelegt wurden, hatten Familie Richter veranlasst, einen Ausreiseantrag zu stellen. Da Ärzte jedoch dringend gebraucht wurden, wurde dem Antrag nicht stattgegeben. Das veranlasste Helmut Richter, ins Fenster des Wohnhauses der Familie ein Bettlaken mit der Forderung nach sofortiger Ausreise zu hängen. Das hatte die Festnahme des Ehepaares zur Folge. Beide wurden wegen „Beeinträchtigung der staatlichen Tätigkeit“ verurteilt und mussten Gefängnisstrafen absitzen. Doch im Gegensatz zu anderen Häftlingen wurden sie danach nicht in die BRD, sondern wieder in die DDR entlassen. Erst im Sommer 1989 gelang ihnen die Ausreise. „Wir hatten uns zwar intensiv mit der DDR auseinandergesetzt, vom Westen jedoch wussten wir wenig“, beschreibt Anneliese Richter die Situation. Dennoch haben beide, obwohl damals bereits 50 Jahre alt, den Neubeginn in Straubing gemeistert. Diesen verdankten sie auch ihrer guten Ausbildung, gestehen sie. Am Mittwochabend wurde deutlich, dass ihr Herz immer noch an Birkenwerder hängt und die Ostsee nach wie vor beliebtes Ferienziel ist.

„Gut, dass man heute sagen kann, was viele Jahre unter den Teppich gekehrt wurde“, resümierte ein Gast und wehrte sich angesichts der Berichte des Ärztepaares „gegen das dumme Gequatsche der DDR-Nostalgie“. (Von Helga Gerth)
http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12277885/61129/Aerzteehepaar-Richter-ueber-den-schweren-Alltag-in-der.html

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